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4,75 Jahre
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7.5.2007 |
Mensch Remo
Jetzt ist es schon wieder mal so weit, du bist wieder ein Jahr älter geworden.

Und es ist so viel geschehen im letzten Jahr. Du hast soooo vieles aufgeholt. Die Ärzte waren bei der Entwicklungskontrolle so super zufrieden mit dir und meinten, du wärst eigentlich gerade noch im Rahmen einer normalen Entwicklung, also nicht mehr verzögert. Das hat wie Balsam in meinen Ohren geklungen. Erstmalig sprachen sie davon, dass du doch irgendwie normal bist. Normal, genau so, wie die anderen Kinder eben auch. Aber irgendwie bist du doch immer ein bisschen besonders beblieben. Kannst dir weiterhin nicht selber die Kleider an- und ausziehen. Mit meiner Hilfe schaffst du das jetzt schon ganz gut, aber alleine will es noch nicht klappen. Da bist du hilflos und frustriert. Und auch die Sache mit dem Trocken werden. Davon bist du immer noch weit entfernt. Doch du gehst schon selber aufs Klo, wenn ich dich dazu animiere. Nimmst die WC-Sitzauflage in die Hand, montierst sie auf dem WC, kletterst dann akrobatisch hoch und thronst auf dem Sitz wie ein König. Nur ist dies für dich mehr noch ein Spiel als was anderes. Ohne Windel geht noch nichts, und dies bestimmt noch über längere Zeit.
Und da sind auch noch deine Essmanieren. Was bin ich froh, dass du seit ein paar Monaten jetzt doch auch endlich mehrheitlich mit dem Besteck statt mit den Händen isst. Aber auch nur, wenn es nicht allzu schwierig zum Essen ist. Wenn nicht, hast du absolut keine Geduld und verwendest sofort wieder deine Hände. Und lass dir sagen: Das Messer kann man beim Essen auch ganz sinnvoll einsetzen, anstelle der Hände. Auch das wirst du noch lernen müssen.
Immerhin wirst du jetzt langsam mobiler als auch schon. Beim Rennen fällst du zwar nach wie vor sehr schnell um. Verhedderst dich zu rasch mit den Füssen, hast einen zu schlechten Gleichgewichtssinn. Und schon liegst du wieder flach auf dem Boden und bist frustriert, dass dir solches einfach nicht gelingen will. Aber doch, jetzt hast du gelernt, Laufrad zu fahren. Und neuerdings kurvst du auch endlich mit dem Bobby Car durch die Gegend. Es ist nie zu spät, neue Sachen zu lernen. Auch würdest du gerne mit einem Fahrrad durch die Gegend sausen. Aber das Teil will sich bei dir einfach nicht fortbewegen - die Koordination mit den Beinen ist noch nicht über alle Dinge erhaben.

Ach mein Kleiner, auch du wirst deinen Weg finden. Egal, ob es jetzt normal ist oder nicht. Ich will dir nur sagen, dass ich dich über alles lieb habe und immer für dich da sein werde. Und es ist so süss, wie du diese Liebe erwiderst. Dein grösster Zukunftswunsch ist es einmal, Mami zu werden. Du streitest dich in letzter Zeit immer mit deiner Schwester, denn die will dir diesen Wunsch ausreden. Du könntest nie Mami werden, höchstens ein Papi. Doch du beharrst auf deinem Wunsch und machst deine Mami insgeheim so glücklich damit.
Entschuldige bitte mein Kleiner, aber mir rollen gerade die Tränen über die Backen. Ich bin dieses Jahr so sentimental und will es dir auch erklären. Genau vor einer Woche wurde dein Grosspapi am Herzen operiert und er hätte uns um Haaresbreite für immer verlassen. Es war so unvorsehbar, seine Chancen standen doch so gut. Und doch hätte es so leicht kippen können. Jetzt ist er stabil. Hat zwar gerade einen Infekt am Herzen selber, aber das wird wieder kommen.
Dann 3 Tage später gab es gleich hier ein paar Meter neben unserem Haus einen Unfall. Die Sanität kam, dann sogar der Rettungshelikopter. Ein Radfahrer war gestürzt und musste verarztet werden. Und irgendwie hatte ich die ganze Zeit so ein schlechtes Gefühl diesem Mann gegenüber. Dann am Abend hörte ich, dass dieser Mann zu einer Gruppe von Patienten gehörte, die Probleme mit dem Herzen hatten. Eine geführte Radtour, an der ebensogut auch dein Grossvater in ein paar Wochen hätte teilnehmen können. Der Mann hatte einen Herzinfarkt erlitten und musste noch vor Ort wieder belebt und beatmet werden. Keine Ahnung, ob er es gut überstanden hat. Nur war dies nicht wirklich gerade das, was meine Nerven zur Zeit brauchen können. Weisst du, das hätte genauso gut auch deinem Grosspapi passieren können.
Und nun hattest du Geburtstag und auf einmal ist vieles wieder genau gleich wie vor 4 Jahren. Zwar fahr ich jetzt nicht zweimal am Tag ins Spital und zwar liegt die Hauptlast diesmal nicht bei mir sondern bei meiner Mutter, aber wir sind annähernd wieder dort, wo wir nach deiner Geburt waren. Täglich oder zweitäglich Spitalluft schnuppern. Nicht wissen, wie lange es geht, bis er wieder nach Hause kommen kann. Nicht wissen, ob es irgendwelche Folgeschäden geben wird. Nicht wissen, ob überhaupt alles gut ausgehen wird. Wann kommt mal wieder ein bisschen Zeit, wo wir alle etwas mehr Ruhe haben?
Deshalb hänge ich zur Zeit sehr an dir, mein Kleiner. Ich weiss, dass du schlimme Zeiten hinter dich gebracht hast und ich bin ja so froh, dass wir es alle zusammen gemeistert haben. Ich drück dich, dass du bei mir geblieben bist und uns nicht für immer verlassen hast. Der Regenbogen kommt wieder mein Kleiner, aber noch müssen wir kämpfen.
Dein Mami
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